GEW-Sportkommision

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Was ist die GEW-Sportkommission?..
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Bundestag beschäftigt sich mit Schulsport
 
Am 16. Februar 2006 beschäftigt sich der Deutsche Bundestag mit einem Antrag der FDP-Fraktion zum Schulsport:
"Die SPRINT-Studie des Deutschen Sportbundes darf nicht folgenlos bleiben - Jetzt bundesweite Wende im Schulsport einleiten"
Protokoll der Bundestagssitzung vom 16.2. 2006
  Mitglieder der GEW-Sportkommission nehmen Stellung
Erika Busch-Ostermann (GEW-Sportkommission NRW)
Kurt Faust / Rolf Dober (GEW-Sportkommission Hessen)



 

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Sportkommission
 
Erika Busch-Ostermann
GEW-Sportkommission NRW

Die GEW Sportkommission ist ebenfalls der Ansicht: Die SPRINT – Studie darf nicht folgenlos bleiben!

Kinder in Deutschland bewegen sich – nicht erst seit kurzem – zuwenig! Der von der SPRINT-Studie prognostizierte Anstieg der Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter ist schon seit langen zu verzeichnen.

Natürlich können Kindergärten und Schule nicht alle Defizite des Elternhauses und der Umweltbedingungen auffangen, jedoch sind für den Rahmen der Bildungsangebote qualifizierte und engagierte Kräfte  für Bewegungserziehung unabdingbar. Nur leider gibt es bislang immer noch zuwenig und zunehmend unter schlechten Arbeitsbedingungen demotiviertes Personal sowie mangelhaft ausgestattete bzw. fehlende Sportstätten.

Auch muss Unterricht insgesamt in der Schule dringend verändert werden: Eine Rhythmisierung des Unterrichts und des Tagesablaufs muss in allen Fächern und Schulformen zur Normalität werden. Ohne Zweifel und vielfältig belegt gehört dazu auch Bewegung im („normalen“) Unterricht (siehe auch „Bewegte Schule“), geeignete Methoden und Untersuchungen, die dieses belegen gibt es ausreichend!

Die Tatsache, dass sich viele Lehrpläne mittlerweile weg vom Sportartenbezug zu einer Bewegungsfeldorientierung hin bewegen, wird von der GEW-Sportkommission ausdrücklich begrüßt. Nur so ist es möglich, gerade den Kindern und Jugendlichen, die nicht von Haus aus sportbegeistert sind, im Rahmen vielfältiger Angebote einen geeigneten Zugang zur Bewegung zu vermitteln.
Hier stimmen wir ausdrücklich der FDP-Position nicht zu! 
Dass heißt unserer Meinung nach auch, dass Sportunterricht nicht vorrangig leistungsorientiert sein sollte. Hierzu passt auch die Möglichkeit einer verbalen Benotung wesentlich besser als leistungsorientierte Noten (diese Möglichkeit sollte auf alle Fächer ausgeweitet werden!).
Die traditionellen Sportarten haben sicherlich weiterhin ihre Bedeutung, die notwendige Nachwuchsförderung gehört jedoch in die Hände der Vereine, die entsprechenden Grundlagen werden weiterhin in den Schulen vermittelt werden können. Eine Kooperation zwischen Schulen und Vereinen als Zusatzangebot/-auftrag ist sicherlich anzustreben und wird vielerorts auch schon erfolgreich praktiziert. 

Die Freistellung von qualifizierten Kräften für die Nachwuchsförderung ist sicherlich ein guter Weg, sofern ausreichend Personal für den Alltagsbetrieb mit täglichen Bewegungsstunden in den Schulen verbleibt! Dies gilt entsprechend für Initiativen zur Integration von Behinderten und Nichtbehinderten - entsprechend qualifiziertes bzw. fortgebildetes Personal und ausreichende Stunden- und Raumkapazitäten müssen bereitgestellt werden. 
Hier ist die Kultusministerkonferenz, hier sind die Politiker aller Parteien seit Jahrzehnten stark mit Versprechungen, allerdings schwach in der Umsetzung!

Die Ausweitung von Schulsportwettkämpfen macht aus gesundheitserzieherischer Sicht wenig Sinn. Hier werden Ressourcen gebunden, die dringender benötigt werden. Die schon angesprochene Kooperation von Schule und Verein, auch im Rahmen von Ganztagsangeboten, könnte sich hier für beide Seiten auch im Wettkampfwesen als förderlich erweisen.

Sport- und Kultusminister stehen in der Pflicht, schnellstmöglich dafür zu sorgen, dass Gesundheitsförderung, Vermittlung von sozialen Kompetenzen und Leistung (in dieser Reihenfolge!) vorrangige Zielvorgaben der Länder werden.

Die Bundesregierung kann gerne weiterhin Schulfitness-Projekte unterstützen, allerdings ist vorrangig eine ausreichende Zahl von Lehrkräften anzustellen sowie Mittel für ausreichende und gut ausgestattete Sportstätten für den täglichen Unterrichtsbetrieb bereit zu stellen!




 

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Kurt Faust / Rolf Dober 
GEW-Sportkommission-Hessen

Stellungnahme zum FDP-Antrag: "SPRINT-Studie des Deutschen Sportbundes darf nicht folgenlos bleiben – Jetzt bundesweite Wende im Schulsport einleiten"
 

Die FDP will die Wende im Schulsport einleiten. Aufgeschreckt durch die Schulsportuntersuchung "Sprint", die in den Jahren 2004/2005 in mehreren deutschen Bundesländern durchgeführt wurde, greift sie verschiedene bekannte Problemlagen auf:
Kinder und Jugendliche bewegen sich zu wenig, sind übergewichtig, weisen mangelnde Fitness  und durch Bewegungsmangel ausgelöste Krankheitsbilder auf. Der Mangel an qualifizierten Schwimmunterricht wird ebenso beklagt wie unzureichende Partizipation von Mädchen mit Migrationshintergrund oder von Behinderten.

Die Bedeutung des Schulsports gewinnt vor diesem Hintergrund zentrale Bedeutung:
"Für eine Vielzahl von Kindern bietet der Schulsport die einzige Gelegenheit zur sportlichen Betätigung. Bei ihnen kann der Ehrgeiz zur außer- schulischen sportlichen Betätigung oft nur dort geweckt werden. Lebenserwartung und Lebensqualität können so verbessert werden. Internationale Studien belegen auch einen direkten positiven Zusammenhang von sportlicher Aktivität und Leistungs- und Lernfähigkeit in der Schule."

Der Antrag enthält viele richtige Beschreibungen, die seit langem bekannt sind und die in den letzen Jahrzehnten(!) nicht nur von Sportpädagogen, sondern auch vom Deutschen Sportbund, den Sportlehrerverbänden, der GEW-Sportkommission, Sportmedizinern und zahlreichen Initiativen für mehr Bewegung in der Schule gestellt worden sind. 

Auch von politischer Seite ist die Situation des Schulsports (in Reden) vielfach aufgegriffen worden.
Geändert hat sich allerdings nichts! Vielmehr sind es die gleichen Politiker, die in den Ländern die Stundentafeln kürzen, die Gelder für die sächlichen und personellen Ausstattungen der Schule Gelder streichen oder wie in Hamburg unter FDP-Verantwortung die Unterrichtstätigkeit von SportlehrerInnen herabqualifizieren. 
Insofern handelt es sich hier eher um ein Aufgreifen von altbekannten Sachverhalten, die immer wieder im Zusammenhang von sportlichen Großereignissen, wie den olympischen Winterspielen in Turin und der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland, auftauchen. 
Die Diskrepanz zwischen politischer Rhetorik und praktischer Umsetzung ist auffälliges Kennzeichen aller bisherigen Schulsportinitiativen.

Solche Anträge sind sicher nicht schädlich, da sie helfen den Schulsport ins Blickfeld zu rücken. Als entlarvend müssen allerdings die Konsequenzen betrachtet werden, die aus den diagnostizierten Zuständen gezogen werden.

„In 16 Bundesländern gibt es acht Zielvorgaben für den Schulsport. Die Tatsache, dass die Lehrpläne immer weiter bewegungsfeldorientiert ausgerichtet sind, ist besorgniserregend. Traditionellen Sportarten, wie beispielsweise der Leichtathletik, droht dadurch der Verlust des überlebenswichtigen Nachwuchses aus den Schulen. Denn auch die Förderung und Entdeckung besonders begabter Kinder gehört zur Aufgabe des Schulsports." 

Über die unterschiedlichen Zielvorgaben kann man sicher streiten, aber das ist Ergebnis der föderalen Struktur der BRD.
Die Bewegungsfeldorientierung für den besorgniserregenden Zustand des Schulsports verantwortlich zu machen ist allerdings unglaublich. Diese Öffnung des Schulsports, die nun eine Vielzahl von Sportarten an den Schulen ermöglicht ist ja doch gerade die Konsequenz daraus, dass unter veränderten Lebens- und Sozialisationsbedingungen die traditionellen Sportarten nicht mehr Anklang bei den Schülern und Jugendlichen gefunden haben. 

Wenn die Autoren des FDP-Antrages die Sprint-Studie sorgfältig gelesen hätten, müsste ihnen auch aufgefallen sein, dass gerade die Beschränkung auf die "traditionellen" Sportarten bei Schüler/innen wenig Zustimmung findet. Attraktiver Sportunterricht muss sich neuen Sportarten und Bewegungsformen öffnen, aber auch den "alten", die gerade in den neuen Lehrplänen in ihrer pädagogischen Relevanz wieder entdeckt werden (z.B. der Bereich Ringen und Raufen, Klettern, Tanzen). 

Wenn man die Autoren ernst nehmen will, so hätte es ja zu Zeiten in denen ausschließlich die traditionellen Sportarten im Schulsport vertreten waren, die Probleme des Schulsports nicht geben dürfen.

Das ist aber nicht der Fall. Fast alle didaktischen Entwürfe der letzten Jahre sind deshalb an Bewegungsfeldern orientiert, in denen sowohl die traditionellen Sportarten, aber auch die neuern Berücksichtigung finden. Außerdem plädieren die Trainingswissenschaftler der einzelnen Sportarten immer mehr dafür eine qualifizierte allgemeine sportliche Grundausbildung zu leisten und nicht einzelne Sportarten in den Vordergrund zu rücken. 

Es ist auch nicht Aufgabe des Schulsports den Nachwuchs für die Vereine zu rekrutieren. Bewegungserziehung ist ein eigenes Bildungsziel, das zunächst einmal unabhängig von den Vereinen zu strukturieren und zu vermitteln ist. 
Dass die FDP der Förderung des Wettkampfwesens in den Schulen eine besondere Priorität einräumt mag ihrem politischem Selbstverständnis entspringen. Die zentralen Probleme des Schulsports liegen aber in der mangelnden Grundversorgung eines qualifizierten Unterrichts. Im übrigen gibt es die von der FDP geforderten Talentförderprogramme bereits in den meisten Bundesländern. Wenn sich aus dem Schulsport heraus talentierte Schüler für den Vereinssport entwickeln, so ist das sicher positiv, jedoch nicht primäres Ziel des Schulsports. 

Gerade die einseitige Betonung eines bestimmten Sportverständnisses (Leistung, Gesundheit) hat dazu geführt, dass viele Kinder und Jugendliche dem Schulsport reserviert gegenüber standen. Dabei ist natürlich selbstverständlich, dass die Perspektiven "Leistung" und "Gesundheit" im Sport einen wichtigen Stellenwert (neben anderen, z.B. Körpererfahrung, Abenteuer/Wagnis/Risiko, Kooperation ) haben. Zudem zeigt das Bespiel Leichtathletik, dass man das pädagogische Potenzial des Laufens, Werfens und Springens verspielt, wenn es auf die traditionelle wettkamporientierte Leichtathletik be-schränkt wird. Das hat übrigens auch der Deutsche Leichtathletikverband längst erkannt, der in seinen Konzepten zur Kinder- und Schulleichtathletik seit Jahren schon einen "bewegungsfeldorientierten Ansatz" vertritt, auch wenn er ihn nicht so bezeichnet.
Dass ausgerechnet die (von Schülern und Sportpädagogen viel kritisierten) Bundesjugendspiele als attraktive Form des Schulsports herausgestellt werden, bleibt unverständlich. Da helfen auch keine "Marketingkonzepte", wie es die FDP vorschlägt.

Die von der FDP gezogenen Konsequenzen sind zumindest in diesen zentralen Punkten absolut rückwärtsgewandt und berücksichtigen nicht die neueren sportdidaktischen Erkenntnisse der Sportwissenschaft. Sie zielen einseitig auf einen am Leistungssport ausgerichteten Schulsport, der in dieser ausschließlichen Form, nach unserer Auffassung, abzulehnen ist. 
 



 
 

Positionen der GEW-Sportkommission zum Schulsport (Übersicht)
 

Weitere Positionen und Forderungen - Diskussionspapiere

Ganztagsangebote an Schulen - Neue Rolle für den Schulsport
Gegen die Ausweitung der Arbeitszeit - für die Gleichwertigkeit aller Fächer
Beiträge zum "Europäischen Jahr der Erziehung durch Sport 2004"
Für den Schulsport ist mehr Engagement nötig!
Verbesserung der Unterrichtsqualität, Fortbildung. Lehrpläne...
Kooperation Schule - Verein
Pisa und Schulsport - Bewegung stärkt Menschen
 
 
Schulsportstudie - Sportunterricht in Deutschland 
Sprint-Studie 2004/2005

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